KÜNSTLER / Kunst der Moderne
Willi Baumeister

Zwei Kammzugfiguren, 1944
© Willi Baumeister / VG Bild-Kunst, Bonn

Willi Baumeister

Zwei Kammzugfiguren, 1944

Öl mit Kunstharz und Spachtelkitt auf Hartfaserplatte
42,5 × 61 cm

signiert o. r.: Baumeister
(BAUMEW/M 52, 11725)

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Provenienz: Sammlung Heinz Rasch, Wuppertal
Literatur: Ausst.Kat. Willi Baumeister. Arbeiten von 1914 bis 1955, Galerie Schlichtenmaier Stuttgart 2000, Kat.Nr. 20, Abb. S. 47; Ausst.Kat. Willi Baumeister. Entdeckung neuer Bildwelten, Galerie Schlichtenmaier, Grafenau/Stuttgart 2008, S. 42, Abb. S. 43; Willi Baumeister. Zimmer- und Wandgeister, in: Jahrbuch der Hamburger Kunstsammlungen. Band 12, hrsg. von Heinz Spielmann, Hamburg 1967, S. 163 mit Abb.; Ausst.Kat. Schlemmer-Baumeister - Krause, Wuppertal 1937-1944, Von der Heydt-Museum Wupper-tal 1979, Kat.Nr. 23, Abb. S. 67; Ausst.Kat. Willi Baumeister, Entdeckung neuer Bildwelten, Galerie Schlichtenmaier Grafenau / Stuttgart, Grafenau/Stuttgart, 2008, S. 42, Abb. S. 43; Will Grohmann, Willi Baumeister. Leben und Werk, Köln 1963, Nr. 993

Die »Kammzugfiguren« markieren einen Neubeginn in Willi Baumeisters Schaffen, welcher dem Kriegsende und dem politischen Neuanfang vorausgeht, und der ihn bis zu seinem Tod immer wieder beschäftigt. Sie stehen in enger Beziehung zur späten Serie der gleichzeitig entstehenden »Sonnenfiguren«, deren fröhlich-helle Farbigkeit gerade 1944 überrascht. Die in diesem Jahr entstandene Arbeit »Zwei Kammzugfiguren« gilt als Erstfassung des Themas, das dann ab 1946 wieder aufgegriffen wird. Baumeister findet mit diesen Werken zu einer Technik, die seinen bildnerischen Intentionen neue Möglichkeiten eröffnet und zu einer Verstärkung der kompositorischen Vorgehensweise führt. Durch den Kammzug und die dadurch entstehenden Rillen und Grate überträgt Baumeister in seiner in Öl mit Kunstharz und Spachtelkitt entstandenen Arbeit von 1944 die aus der Zeichnung gewonnenen Erfahrungen mit der Frottage in eine Reliefstruktur. Indem er die Grate mit Farbe akzentuiert, leuchten die hellen Rillen auf. Die vereinheitlichende Wirkung des Stahlkammes – den Baumeister noch aus seiner Lehrlingszeit aufbewahrt hatte – fügt einzelne Flächen zu einem homogenen Ganzen, trotz unterschiedlicher Farben, Formen und Akzentuierungen der Bewegung, und dynamisiert so die Komposition. Malerisch durchgeführte Verschattungen an den Rändern der Formen, verleihen dem Bild eine zusätzliche Raumhaltigkeit und der Farbe eine ausgeprägte Materialität. Collageartig setzen sie sich gegen den Bildgrund ab, vor dem sie beleuchtet zu stehen scheinen. Lineare Gerüste schließen in diesem Bild die Komposition zu zwei bewegten Figurationen zusammen – in der rechten könnte man mit einiger Phantasie sogar Pferd und Reiter erkennen. Trotz der figurativen Zuordnung gibt die Entzifferung der Kammzug-Arbeiten Rätsel auf, was sicher gewollt war, schrieb Baumeister doch in den Jahren 1943/44 an seinem Opus über »Das Unbekannte in der Kunst«. Die technisch originellen Möglichkeiten wollte er allerdings nicht allein dem Zufall anheim stellen: »Es ist ein Fehlweg, den Zufall zu beschwören und dem eine Bedeutung beizulegen.«
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