Schlichtenmaier classic / Besondere Werke aus Galeriebestand zum 50. Galeriejubiläum

Horizontal-abstrakt III, 1937
© Willi Baumeister / VG Bild-Kunst, Bonn

Willi Baumeister

Horizontal-abstrakt III, 1937

Öl auf Leinwand
65,5 × 54,2 cm

verso signiert und datiert auf dem Keilrahmen: W. Baumeister 3.37
(BAUMEW/M 79)

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Provenienz: Irmgard Burchard Tableaux Zürich; Privatbesitz; Hauswedell & Nolte, Hamburg; Galerie Schlichtenmaier; Sammlung Deyhle, Stuttgart
Literatur: Ausst.Kat. Figur und Abstraktion in der deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts, Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottdorf, Schleswig 1993, Nr. 96; Ausst.Kat. Willi Baumeister - Karl Hofer. Begegnung der Bilder, Museum der bildenden Künste Leipzig, Bielefeld 2004, Abb. S. 109; Ausst.Kat. Willi Baumeister, Entdeckung neuer Bildwelten, Galerie Schlichtenmaier Grafenau/Stuttgart, Grafenau/Stuttgart, 2008, S. 30, Abb. S. 31
Peter Beye/Felicitas Baumeister, Willi Baumeister. Werkkatalog der Gemälde, Bd. II, Ostfildern 2002, Nr. 733

Eines von Baumeisters malerischen Hauptanliegen kristallisiert sich bereits frühzeitig heraus, nämlich die Untersuchung der Beziehung zwischen Einzelform und Flächenordnung. In den quer gelagerten schwarzen Formen seiner »Sportbilder« der 1920er Jahre sind erste Anklänge dieser formproblematischen Auseinandersetzung zu erkennen. Zeitversetzt entstehen ebensolche formalen Untersuchungen verstärkt ab 1937 und werden von Baumeister als Ideogramme bezeichnet. Bei diesen ersten abstrakten Figurenzeichen drückt Baumeister sein Streben nach der elementaren, originären Form aus. In »Horizontal-abstrakt III« (1937) werden die Farben demnach klar umrissen, frontal gezeigt und zu allgemeingültigen Ideen-zeichen erklärt. Auf der weißgrundierten Leinwand in ihrer Leuchtkraft intensiviert, gleichen sie einem rätselhaften Phänomen - einem auf der Fläche verhafteten Schwebezustand, der aufgrund der farblichen und formalen Balance einem In-sich-Ruhen gleicht.
In einer Zusammenstellung seiner Figurenzeichen für seine Schrift »Zimmer- und Wand-geister« hat Baumeister diese abstraktesten Figurenzeichen so eingefügt, dass ihr körperhafter Charakter ablesbar wird. Er nannte sie »Ideogramme«. Der Begriff lässt sich mit »Ideenzeichen« zwar ins Deutsche übertragen, bleibt aber allgemein. Diese Offenheit des Begriffs war dem Künstler wichtig, denn in den Paraphrasen der »Ideogramme« wollte er nicht eine Abbildung vorhandener Wirklichkeit geben, sondern eine mehrdeutige und zugleich allgemein gültige Metapher für das Leben, für die Mensch und Tier einschließende Figur, für Geschichte und Gegenwart, für die Natur und ihre Gesetzmäßigkeiten schaffen. Baumeister selbst äußert sich zu diesen Kompositionen: »Diese Formen schweben, ohne sich zu berühren, aber doch stark aufeinander bezogen, in der Fläche. Ich hatte sie ursprünglich völlig abstrakt gemeint, habe aber im weiteren Verlauf Figuren hineingesehen, natürlich frontale.« Daher können die horizontal zueinander komponierten Formen ebenso figural-gegenständliche wie freie Assoziationen, oder auch abstrakte Anmutungen von prähistorischen Fels-malereien oder von den Torii genannten Tore japanischer Shinto Heiligtümer wecken.
Peter Beye schreibt hierzu: »In den ›Ideogrammen‹ der Jahre 1937/38 verdichten sich die vorher vorherrschend amorphen Formen zu einfachen Bildzeichen, die in ihrem ›graphisch‹ verfestigtem Aufbau entfernt an zu Beginn der dreißiger Jahre entstandene Bilder erinnern, sich aber zunehmend aus figürlicher Abstraktion lösen. Zum Zeichen hatte Baumeister ohnehin eine stark ausgeprägte Affinität. Als ›Urform des Bildhaften‹ hat er es einmal umschrie-ben, das ›gleichzeitig die Elemente zur späteren Schrift und zum Bild enthält‹, also ›die erste und vielleicht reinste Position des Optisch-Visuellen‹ darstellt. Schon den ›Läufer-Valtorta‹ nennt er ausdrücklich ›Zeichen‹, auch ›Hieroglyphe (Mensch)‹ – ein Titel, den er ebenso auf einem seiner späteren ›Ideogramme‹ notiert. Die ›Ideogramme‹ setzen die ›Valtorta‹-Figuren voraus, sind aber nicht mehr amorph, sondern in scharfer Prägnanz ausgebildet.«
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