Schlichtenmaier classic / Besondere Werke aus Galeriebestand zum 50. Galeriejubiläum

Maler mit Palette (Maler mit Palette IV), 1928/29
© Willi Baumeister / VG Bild-Kunst, Bonn

Willi Baumeister

Maler mit Palette (Maler mit Palette IV), 1928/29

Öl, Sand und Spachtelkitt auf Karton
60 × 45 cm

monogrammiert u. r.: W B
(BAUMEW/M 181)

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verso signiert: W. Baumeister 1928/29
Provenienz: Sammlung Kurt Deschler, Ulm; Galerie Gunzenhauser, München; Privatsammlung, Stuttgart

Literatur: Will Grohmann, Willi Baumeister - Leben und Werk, Köln, 1963, Werkverzeichnis Nr. 208 mit Abb.
(als »Maler mit Palette IV«). - Will Grohmann, Willi Baumeister, Stuttgart, 1952, S. 57, Nr. 24 mit Abb.
Wie auch die anderen Varianten des Themas von Baumeister nicht numeriert. Vgl. Erläuterungen zu Kat. Nr. 318. Peter Beye / Felicitas Baumeister, Willi Baumeister. Werkkatalog der Gemälde, Bd. II, Ostfildern, 2002, Nr. 321

In den Zwischenkriegsjahren entwickelt Willi Baumeister aus den sogenannten Mauerbildern, die mit verschiedenen Beimischungen (Sand und Spachtelkitt) in der Farbe entstehen, das Apoll-Thema und mithin eine neue Beschäftigung mit dem Menschen. Parallel zu den Bestrebungen des 1919 gegründeten Bauhauses und über Baumeisters Freunde Oskar Schlemmer oder Fernand Léger geht es auch ihm um das Bild des neuen Menschen - angeregt durch die desaströsen Erfahrungen und Erlebnisse des Ersten Weltkriegs. Die Weimarer Jahre der 1920er Jahre signalisierten eine Aufbruchsstimmung, die sich in der Kunst durch eine Befreiung von der tradierten Menschendarstellung zeigte. Baumeister schuf Bildserien, die den Menschen in Verbindung mit dem Schachspiel (das geometrische Feld als Raster), dem Telefon (Technik), wenn nicht der Mensch selbst zur Maschine mutierte - als Inbegriff des rationalen Wesens - , oder in Verbindung mit der Malerpalette, die etwa dem Rasterfeld des Schachbretts eine organisch-formale Variante gegenüberstellte. Die Figur löste sich in diesen "Maler"-Bildern zur völlig freien Form auf, die mal in technoider Roboterhaftigkeit in Szene gesetzt ist, wie es auf dem Gemälde von 1928/29 zu sehen ist, mal in einer kühnen linearen Geste das Bild spielerisch belebt. Technische Vernunft gesellt sich mit künstlerischer Freiheit, Geometrie mit organischen Formen. Ein Anliegen in diesen Jahren ist die Entwicklung eines Raums ganz aus der Farbe und Form heraus, ohne perspektivische Tiefenstruktur, wobei die Farbe hier mit einer pastellhaften Zurückhaltung agiert: zarte Rosatöne und eine helles Blau dominieren die "Schicht" der menschlichen Darstellung gegenüber einem Hintergrund in Beige- und Brauntönen - und als eine Art Herzstück ist die Malerpalette im Bildrechteck platziert, wo betont punktuell Farbakzente gesetzt sind. So wird der Künstlerberuf sachlich (Farbe als Handwerkszeug und Mittel des Malers) wie symbolisch (das Künstlertum und die Rolle des Künstlers als Mittler) zum Thema. Formal vermittelt die Palette zwischen den linearen und flächig-geometrischen Formen, zwischen menschlicher Figur und ihrer abstrakten Silhouette.
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